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Fashion Puppe

warrior

Ich finde Frauen wunderbar. Männer auch. Aber ich glaube, Frauen muss man es öfter sagen, dass sie wunderbar sind, denn sonst vergessen sie es. Männer hingegen haben teilweise ein ziemlich gutes Selbstbewusstsein und finden sich von Natur aus ziemlich dufte. Zumindest trifft das auf den Großteil der Männer zu, die ich kenne. Natürlich sagen wir Frauen unseren Männern ab und zu, dass wir sie wunderbar finden, aber meist hat das amouröse Gründe…

Es ist Sonntagabend, ich gieße mir ein Glas Rotwein ein und schaue mir die Diskussion an, die sich in den letzten 48 Stunden unter einem meiner Instagrams angesammelt hat (Den gesamten Diskussionsverlauf seht ihr leider nur in der App, nicht in der Desktopversion). Diese Diskussion hat mich zugleich wütend und traurig gemacht. Ein simples Foto von einem Buch, eine simple Bildunterschrift von mir hat nach dem dritten Kommentar eine Diskussionswelle ausgelöst, die zwar sachlich war, aber irgendwie aus dem Ruder lief und am Thema vorbeidriftete. Gleichzeitig erkannten viele Diskussionsbeiträge den Frauen ab, dass sie Kämpferinnen sind.

Ich kaufte mir den Bildband “The Bodies of Mothers – a beautyful Body Project” von Jade Beall. Ein Bildband mit wahnsinnig starken Fotografien von Müttern, teilweise mit ihren Kindern, in unterschiedlichen Posen: Stillend, verhüllt, nackt, in Posen einer Amazone, barbusig, vielleicht sogar mit tropfendem Busen, verletzlich, stark. Ein unglaublich schönes Buch mit so ausdrucksstarken Bildern und den jeweiligen Geschichten der abgebildeten Frauen. Beim ersten Durchblättern haben mich meine Gefühle eiskalt überrumpelt und ein paar Tränen der Rührung kullerten mir die Wangen hinunter. Ich fühlte mit einigen der Stories der Frauen mit und war ergriffen von so viel Stärke.

Der Körper einer Mutter ist gezeichnet, völlig egal ob sie spontan gebar, mit PDA oder ohne oder mithilfe eines Kaiserschnitts, in einer Klinik oder in ihren eigenen vier Wänden, im Wasser, im Wald, alleine oder mit Publikum, in der Hocke oder im Liegen. Der Körper einer Mutter hat etwas faszinierendes geschafft – er hat ein Kind hervorgebracht. Der Körper einer Mutter hat etwas getan, was völlig natürlich ist, täglich mehrfach geschieht und eigentlich nichts besonderes ist und gleichzeitig doch etwas besonderes ist. Ein Kind auf die Welt zu bringen ist für jede Frau anders schwierig oder einfach, je nach Blickwinkel. Es kann Stunden dauern, die reinste Tortour sein oder innerhalb kürzester Zeit geschehen und ein Zuckerschlecken sein. Die eine Frau durfte dieses kleine Wunder, welches einen an den Rand jeglicher Emotionen, die man haben kann, treibt bereits viele Male erleben, bei anderen bleibt es bei einem oder zwei Malen. Denke ich an die Geburt meiner eigenen Tochter zurück, dann denke ich immer und immer wieder an diesen einen einzigartigen und  magischen Moment zurück, an die erste Sekunde als sie endlich da war, uns ansah, mir tief in die Augen sah und mir klar wurde, dass sich mein Leben von dieser Sekunde an ändern würde.

Der Körper einer Mutter hat Male. Sichtbare und auch weniger sichtbare, vielleicht sind die Male auch im Herzen und auf der Seele zu finden. Dehnungsstreifen, Kaiserschnittnarben, Risse in der feinen Haut der Brust. Vielleicht aber auch seelische Narben durch ein Geburtstrauma. Viele Frauen machen sich Vorwürfe, weil sie nicht spontan gebären konnten, sondern das Kind mit einem Notkaiserschnitt geholt werden musste. Es gibt Frauen, die erlitten eine Schwangerschaftsvergiftung, litten unter HELLP Syndrom, Eklampsie, Nabelschnurvorfall, Sauerstoffunterversorgung, um nur einige Faktoren zu nennen, die gegen eine spontane Geburt sprechen. Es gibt Frauen, die werfen sich selbst oder anderen Frauen vor, ein Kaiserschnitt sei keine “richtige Geburt”. In meinen Augen absoluter Schwachsinn und nicht nachvollziehbar, wie man anderen Frauen die Tatsache einer Geburt aberkennen will. Aber auch die optische Veränderung des Körpers, dem einiges in der Schwangerschaft abverlangt wurde, kann zu seelischen Schmerzen führen. Und nein, nicht jede Frau sieht 8 Wochen nach der Geburt wieder so aus wie Heidi Klum oder Miranda Kerr. Klar, könnte sie. Aber nicht jede Frau ist von Beruf Model und muss in Größe 34 passen, weil es ihr Job ist. Was 40 Wochen wuchs, kann nicht innerhalb von wenigen Wochen wieder in den Urzustand versetzt werden.

In dem Bildband sind viele unterschiedliche Geschichten von den Frauen zu lesen, die zum Beispiel lange dafür kämpften, schwanger zu werden, die gegen eigene Krankheiten oder die ihrer Kinder kämpften (eine Mutter verlor ihre krebskranke Tochter, sie starb nach dem Shooting für das Buch), die lange brauchten, um ihren Körper zu akzeptieren – nach der Schwangerschaft, aber auch davor, Frauen mit starken Malen aus der Schwangerschaft, Frauen, die sich erst wirklich weiblich durch ihre Schwangerschaft fühlten und auch wunderschöne Frauen, die keinerlei Komplikationen hatten und ihren Körper so schön wie nie zuvor finden. All diese Frauen sind eine Inspiration. Eine wahnsinnig starke Inspiration. Ich finde sie wunderbar, denn sie zeigen sich in diesem Bildband so, wie sie sind, wie sie sich verändert haben und wie der Körper einer Frau eben aussehen kann nach einer Geburt.

Meine Bildunterschrift zu dem Instagramfoto mit dem Buch in meiner Hand war: “Marks of warriors”. Zu Deutsch: Male von Kriegerinnen.

Marks of Warriors

Ein von anna frost (@annafrost) gepostetes Foto am 29. Mai 2015 um 4:43 Uhr

(Den gesamten Diskussionsverlauf seht ihr leider nur in der App, nicht in der Desktopversion)

 

Kurz nach der Veröffentlichung brach daraufhin eine Diskussion darüber aus, ob sich eine Frau Kriegerin / Kämpferin nennen darf, der Begriff sei ja negativ behaftet. Er habe mit Krieg zu tun und Krieg ist nunmal nicht unbedingt etwas Schönes. Ich habe mir das eine Zeit lang angesehen, alle Kommentare und Diskussionsbeiträge durchgelesen, bis mir dann irgendwann die Hutschnur geplatzt ist. Fast ausschließlich Frauen haben sich an der Diskussion beteiligt und sich gegenseitig klein geredet. Frauen, die sich gegenseitig aberkannt haben, dass sie starke, selbstbewusste Frauen sind. Es kann doch nicht sein, dass sich Frauen gegenseitig klein machen!? Dadurch, dass sich die Frauen in dem Bildband überwiegend nackt zeigen, machen sie klar, dass sie mit sich und ihren Makeln, die vielleicht durch eben jene Krankheiten oder auch durch die Schwangerschaft entstanden sind, im Reinen sind. Ich finde das bemerkenswert, stark und großartig. Jede von ihnen kann für eine andere Frau ein Vorbild sein. Den noch immer in der Gesellschaft als hässlich angesehenen Veränderungen des weiblichen Körpers nach der Geburt den Schrecken, das Negative nehmen. Für den Begriff Warrior / Kriegerin / Kämpferin gibt es unterschiedliche Abstufungen, die je nach Kontext zu verstehen sind. Viele Frauen kämpfen mit sich, ihrem Selbstbewusstsein und den Makeln an ihren Körpern. Wer den innerlichen Kampf besiegt hat und sich schön fühlt, so wie er/sie ist – derjenige / diejenige ist in meinen Augen eine Kämpferin / ein Kämpfer! Man ist nicht nur eine Kämpferin oder ein Kriegerin, weil eine Krankheit besiegt oder ein Kind geboren wurde. Eine Frau ist eine Kämpferin, wenn sie ihren Alltag mit allen Höhen und Tiefen meistert. Sie ist eine Kriegerin, wenn sie gegen ihre eigenen Dämonen kämpft, vielleicht sogar als Galionsfigur für viele andere voran schreitet. Eine Frau ist eine Kämpferin, wenn sie in den Spiegel sieht und sich selbst sagt, dass sie schön ist! Wenn sie ihr Selbstbewusstsein stärkt, den Kopf und die Schultern gerade rückt und erhobenen Hauptes ihr Ding durchzieht. Eine Frau ist eine Kriegerin, wenn sie eine Inspiration für andere Frauen und Mädchen ist. Aus diesen Geschichten anderer Frauen mit einer positiven Einstellung zu sich selbst kann jeder lernen. Und genau das ist es, was ich meiner Tochter beibringen werde. Sie zieht täglich ihre unsichtbare Rüstung an und begibt sich in den Kampf. Ein täglicher Kampf mit dem Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Gegen- und Rückenwind. Mal hat man eine Kriegerin an seiner Seite, mal wird man zum Einzelkämpfer. Und wer nicht kämpft, der ist entweder auf den Rückenwind anderer angewiesen oder muss sich Deckung suchen. Im Leben gibt es nichts geschenkt – man muss für seine Träume kämpfen.

Frauen, die den Weg zu sich, einer Selbstakzeptanz und einem gesunden Selbstbewusstsein gefunden haben, sind ein wahnsinniges Vorbild. Frauen, die es geschafft haben, sich in einer Männerdomäne hochzuarbeiten, sind Vorbilder. Frauen, die für die Rechte anderer Frauen kämpfen, sind Kriegerinnen und Vorbilder. Aus den Geschichten anderer Frauen mit einer positiven Einstellung zu sich selbst kann jeder lernen. Der Begriff “Kriegerin” strahlt ein wahnsinniges Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Stärke aus. In meinen Augen ist jeder ein Krieger, der einen kleinen oder großen Kampf jeglicher Art mit sich selbst oder widrigen Umständen ausgefochten hat.

Ich habe auch lange mit meinen eigenen Makeln und meinen verbliebenen Narben aus der Schwangerschaft gekämpft. Nein, ich bin nicht der Modeltyp, bin nicht groß und schlank. Ich muss für jedes Pfund weniger kämpfen. Und ich habe für jedes Gramm der Schwangerschafspfunde gekämpft, um mich wieder schön zu fühlen. Und ja, ich habe dafür gekämpft, keine Dehnungsstreifen zu kriegen. Den Kampf habe ich jedoch verloren und es hat mir zu schaffen gemacht. Mittlerweile habe ich das akzeptiert und wenn ich mir die kleinen Streifen ansehe, dann weiß ich, welche Geschichte dahinter steckt und es ist ok. Sie gehören nun zu mir und werden vielleicht mit der Zeit verblassen. Vielleicht auch nicht. Auch habe ich akzeptiert, dass sich mein Körper verändert hat. Dem Einen fällt es auf, anderen nicht. Das ist nicht wichtig, mir ist das nicht wichtig, denn ich finde mich ok. So, wie ich bin. Mit meinen Makeln. Denn die machen mich zu dem, was ich bin. Sie sind die Male einer Kriegerin.

Und auch du bist eine Kriegerin. Jeden Tag aufs Neue. Also gib nicht auf, denn du kämpfst den Kampf für dich. Vielleicht auch für andere, die zu dir aufsehen oder dich an ihrer Seite brauchen.

31 Comments

  • Katie says:

    Hallo liebe Anna,

    ich habe die Diskussion nicht mitverfolgt, aber finde das Wort “Krieger” in Ordnung und auch angemessen – vorallem auch, wenn man die eigentliche Wortherkunft von “kriegen” ansieht:

    Krieg
    […] krieg bedeuteten sowohl „Streit, Auseinandersetzung“, als auch „Anstrengung“ und „Hartnäckigkeit“; [..] auch in griech.
    bríme „Wucht, Stärke“ und altir.
    bríg „Kraft, Macht“; das Verb kriegen
    ist eine Ableitung von Krieg und bedeutete zunächst „Krieg führen“, später dann „streiten“; die heutige Bedeutung „bekommen, erlangen“ entwickelte sich unter dem Einfluss von mitteldt.
    erkrigen „erringen, erstreben“

    Im Prinzip “erlangt, bekommt, erringt” man als Frau unter großem Einsatz und Schmerzen das Kind und “arbeitet” unter großer Kraftanstrengung und permanentem Bestreben am Wohlergehen des Kindes – im Idealfall ein Leben lang.

    Aber ist es da nicht schon wieder wie bei allem? Viele legen dann alles auf die Goldwaage und hängen sich an etwas auf, das sie nur aus einer Perspektive betrachten (wollen).

    Lass Dich nicht ärgern.

    Liebe Grüße und eine schöne Woche
    Katie

  • Katharina says:

    Hallo Anna,
    Ich hab die Diskussion bei Instagram auch mitbekommen und war wirklich geschockt und traurig.

    Dieser Post ist wunderbar, ich liebe deine Art zu schreiben.
    Spätestens am Ende hatte ich Tränen in den Augen.
    <3

  • Claudia says:

    Liebe Anna,

    genau für diese wundervollen Worte, lese ich Deinen Blog so gerne!

    Alles Liebe, Claudia

  • Melanie says:

    Das sind ganz wundervolle und wahre Worte liebe Anna!

    Ich liebe deinen Blog.

    Alles Liebe!

    Melanie

  • Lila says:

    Hallo Anna,
    ich war ehrlich gesagt auch etwas baff, das jemand einer fremden Frau das Recht abspricht, sich selbst oder andere Frauen als Kriegerinnen zu bezeichnen. Jeder kämpft auf seine Weise mit den verschiedensten Dingen, mit sich selbst, mit anderen, mit den Umständen. Und jeder Kampf hinterlässt Spuren.
    Ich danke dir dafür, dass du ein solch wichtiges Thema ansprichst und uns Mut machst.

    LG Lila

  • Eva says:

    Auch wenn ich mit dieser Sichtweise auf Deinem Blog vermutlich zur Exotin mutiere, muss ich hier ausnahmsweise kommentieren. Anna, eine Kriegerin ist in wirklich jeder erdenklichen Hinsicht etwas ganz anderes als eine Schwangere, Gebärende und spätere Mutter in reichen Industrieländern wie Deutschland. Mitsamt lächerlicher Problemchen wie Schwangerschaftsstreifen. Das sind keine Narben von Verletzungen, wie sie Kriege verursachen … Zudem gibt es hier und da echte Kriege, in denen Frauen auf vielfältigste Weise zu Opfern werden, ob nun als Teil des Militärs, von Milizen und so weiter. Am öftesten wohl als Zivilistinnen. Sei mal eine Yesidin im Irak im Angesicht des IS oder eine in Syrien und dann denk bitte nochmals kurz darüber nach, was an Dir und Deinem Leben an eine Kriegerin erinnern könnte. Ich sehe da ehrlich gesagt nichts außer Behaglichkeit, die Dir und Deiner Familie herzlich gegönnt sei!

    • Anna Frost says:

      ich spreche hier nicht nur von Schwangerschaftsstreifen, obwohl dies der Aufhänger war, Eva. Ich rede auch von anderen Dingen, die eine Frau belasten und gegen die sie kämpft. Ich nehme mir nicht heraus, den täglichen Kampf einer Frau in Hamburg Ottensen mit sich selbst mit den wahrlich ernst zunehmenden Kämpfen einer Frau in einem Kriegsgebiet zu vergleichen. Dies sind Probleme und Kämpfe, die ich in keinster Weise miteinander vergleichen möchte.
      An dieser Stelle denke ich jedoch: Lass uns darauf einigen, dass wir uns nicht einigen werden. Du siehst das anders und das finde ich ok so. <3

    • Tiana says:

      So empfinde ich es leider auch – für mich hat der Begriff ausnahmslos negative Assoziationen. Krieg und das zum Krieg gehörende Leid und Elend hat für mich gar nichts mit persönlichen “Industrieländer-Schicksalen”, Kämpfen mit sich selbst (Kampf ja, Krieg nein!) und auf ihre Weise an den Nerven zehrenden Situationen bzw. Umständen zu tun.
      Daher finde ich es schlichtweg schade, dass dieser Begriff so ‘unsensibel’ genutzt wird – weil ich ihn eben beim Lesen nur negativ verstehe und es vermutlich auch vielen anderen so geht. Eine Meinung, die man in meinen Augen sehr wohl mit gutem Grunde vertreten darf.
      Wenn die Frauen selbst sich so benennen wollen und für sie der Begriff “Kriegerin” nichts mit dem Krieg und Elend zu tun hat, an das wir und einige andere dabei denken, dann sollen sie es für sich auch gern tun. Es ist nur sehr schade, wenn man es liest und an ganz anderes Leid und Elend dabei denkt …

      Ich verstehe Deine Position also sehr gut und sehe es auch so. Kämpferin ja, Kriegerin nein. Wir sollten schließlich alle froh sein, nicht im Krieg und Elend wie in vielen Teilen der Welt leider noch immer existent, leben zu müssen.

      Und nein, das heißt nicht, dass man meine Meinung annehmen muss – wie gesagt, sollen die Frauen für sich doch nun sagen, was sie möchten 🙂

  • Lise says:

    Schöne Worte.

    Jedes meiner drei Kinder hat Spuren an meinem Körper hinterlassen, meine große Tochter hat mir kurz nach meinem 19. Geburtstag einen Hängebusen mit Dehnungsstreifen vom Feinsten verpasst,, Spuren von einer ungeplanten, einsamen, sorgenvollen Schwangerschaft, Kampf Nr. 1 in meinem Leben der mich stark gemacht hat. Kampf Nr. 2: mein 4500g schwerer Sohn der innerhalb einer Stunde auf die Welt kam, nie zuvor habe ich mich kriegerischer, siegreicher und stärker gefühlt. Und dank meiner kleinen Tochter trag ich eine KS-Narbe die ein Stückchen in mein Gänseblümchentattoo hineinragt, ich liebe diese Narbe, auch der Kaiserschnitt war ein Kampf den ich gewinnen durfte und micht gestärkt hat, allein die erste Nacht, in der ich trotz der Schmerzen und der Bewegungseinschränkung dafür gekämpft habe meine Tochter ganz nah bei mir im Bett haben zu können. Jede Geburt hinterlässt Spuren auf dem Körper und tief in der Seele, wär ja seltsam wenn sowas tiefgreifendes spurlos an einem vorbeigehen würde… Solange man Mutter ist, kämpft man – für die Kinder, gegen die Kinder, gegen sich selbst, für sich selbst. Vom Geburtskampf bis zum Alltagskampf – es macht uns stark, das Muttersein, und genau diese Stärke präsentiert das Wort “warrior” für mich.

  • Leri says:

    Liebe Anna,

    du plädierst dafür, sich selbst als starke Frau zu sehen und anderen dieses Gefühl nicht zu rauben – machst aber genau das mit der Komentatorin, deren Meinung du nicht teilst und verfremdest ihre Aussage. Diese richtete sich nämlich weder gegen das Buch, noch wollte sie Müttern ihre Stärke absprechen. Alleine der Begriff “Warrior” machte ihr zu schaffen, was aus meiner Sicht ziemlich legitim ist. So wie du denn Begriff hier auf deinem Blog erklärst, kann ich die Gründe nachvollziehen warum du ihn wähltest und finde auch die Idee dahinter schön. Anders dazu zu stehen ist aber trotzdem nicht weit hergeholt oder Haarspalterei – du hast diese doch sehr starke Metapher ausgewählt, also ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade diese diskutiert wird.

    Was mir bei der ganzen Geschichte nun überhaupt gar nicht gefällt, ist wie diese Frau, die Stärke bewiesen hat, weil sie gegen den Strom geschwommen ist, ihre Meinung gut begründet dargelegt und dabei wohlbemerkt niemanden persönlich angegriffen hat, nun an den Pranger gestellt wird (netterweise mit Verweis auf die Instagram Diskussion) als jemand der andere kleinmacht und kein Selbstvertrauen hat. Das ist so schlichtweg nicht richtig!

    Du kannst zu dem Begriff so stehen wie du willst, aber er ist nun mal kontrovers, weshlab man eigentlich die Größe haben sollte auch mal eine andere Meinung neben seiner stehen zu lassen ohne direkt die Person von der diese geäußert wurde abzuwerten. Ich selbst finde das Wort “Warrior” bedenklich, in Anbetracht der Flüchtlinge, die jeden Tag schwer traumatisiert und für ihr Leben gezeichnet ihr Land verlassen müssen, ist aber Geschmackssache.

    Meiner Meinung nach kann eine starke Frau auch sich selbst und ihr eigenes Verhalten in einem gesunden Rahmen reflektieren – auch wenn das nicht unbedingt heißen muss, dass man eine fremde Haltung annimmt – aber zumindest kann man bestimmte Regeln der Fainess befolgen. Diese Kommentatorin hat als Reaktion auf ihren Post mehr Unterstellungen und Anfeindungen zu lesen bekommen als sie selbst jemals ausgeteilt hat. Das du traurig und wütend bist kann ich also nicht verstehen.

    • Vroni says:

      Hallo Leri!
      Danke für diesen Text. Ich bin genau deiner Meinung. Auch ich habe die Diskussion auf Instagram verfolgt und fand es eher erschreckend, wie plötzlich alle gegen die eine Person, die einfach nur frei ihre Meinung geäußert hat, gewettert haben. Auch ich finde das Wort “warrior” etwas unglücklich gewählt, wobei ich weiß, was damit ausgesagt werden soll. Ich kann nicht verstehen, wie man sich so über eine Meinung aufregen kann und sie dann noch in eine ganz andere Richtung schiebt oder wie du geschrieben hast “verfremdet”. Was hier passiert ist, erschreckt mich. Nur weil eine Frau ihre Meinung äußert, muss man nicht gleich zu Hauf auf sie einreden und versuchen sie umzustimmen.

    • annika says:

      Liebe Leri, danke für deinen Kommentar! Ich stimme dir voll zu und finde es mutig, dass du in der Masse an Zustimmerinnen deine Meinung sagst. Nichts anderes hat die Kommentatorin auf Instagram getan, stets sachlich und gut argumentiert. Mich haben ebenso eher die Reaktionen auf ihre Meinung geschockt.

    • Tiana says:

      Sehr sehr gute Worte! Wenn irgendwo ein “WORD!” passt, dann nicht auf IG, sondern hierfür.

  • Mia says:

    Ich hab den ausgehenden Kommentar der Diskussion eher so gedeutet, dass es keinen Grund gibt, dass Schwangere ihre “Zeichen” so hoch in den Himmel loben. Der Körper trägt Male davon, das macht einem sicher zu kämpfen und dann muss man das nicht so schön reden, von wegen Schwangerschaftsstreiten sind Bilder, die Kinder von innen malen.
    Das wirkt nach außen immer… seltsam, dass dies als Geschenk etc betitelt wird, nur damit man nicht zugibt, dass der Körper kaputt gemacht wurde.

    • Mia says:

      Edit: Denn dann müsste man sich als Mutter ja zugestehen, dass nicht alles am schwanger sein supidupi ist und das fällt anscheinend vielen schwer.

  • Oh Anna,
    das hast du wunderbar geschrieben!!!!!

    Ich habe die Diskussion am Sonntag auch mitverfolgt , und fand so manche Aussage wirklich sehr anmaßend. Ich finds toll das du das Thema nochmal aufgegriffen hast – noch beim lesen der Kommentare habe ich überlegt ob du dich dazu wohl äußern wirst.

    Ganz toller Beitrag!

    Viele Grüße eve

  • Juliane says:

    Ein schöner Beitrag von dir, der wieder einmal genau das ausdrücken kann, was ich selbst denke. Ich folge dir auch bei Instagram und habe den Anfang der Diskussion unter dem Bild mitbekommen. Dann habe ich mich aber gemaßregelt und bewusst nicht den Rest auch gelesen. Denn auch mich machen solche Worte wütend. Schließlich hattest du es selbst schon einmal so schön formuliert: Mütter, hört doch endlich auf, euch selbst und gegenseitig fertig zu machen. Es ist so schade!

  • Katharina says:

    Sehr tolle Worte Anna! Es ist leider oft so, und da ertappe ich mich auch immer wieder, dass Frauen sich klein reden. Wir sollten viel öfter zugeben, dass wir stark sind!

  • Mara says:

    Hallo Anna,
    Ehrlich gesagt weiß ich echt nicht was ich schreiben soll, denn ich sitze hier mit Tränen in den Augen.

    Ich war vielleicht nicht schwanger, aber ich bin krank. Jeder Tag ist für mich schwer. Aufstehen ist eine Überwindung für mich, genauso wie zur Uni gehen oder was auch immer im Alltag auf mich zu kommt. Aber ich lasse die Krankheit nicht gewinnen, nicht mit mir. Und egal wie viele Menschen mir sagen, ich werde mich nie in meinem männerdominierten Berufsfeld durchsetzen, ich lasse mich nicht davon abbringen.
    Ich vergesse immer wieder, dass ich nicht aufgeben darf. Dass ich nicht das kleine, zerbrechliche Mädchen bin.
    Ich bin eine KÄMPFERIN.
    Danke, dass du mich daran erinnert hast.

  • lcp says:

    You are a tigress that has earned her stripes

  • Renate says:

    Ich habe zwei Kinder und ich bin mit Sicherheit auch älter als die meisten hier. Was ich an dieser Diskussion ganz furchtbar finde ist die Tatsache, dass wir Frauen anscheinend sehr wenig Solidarität und Verständnis füreinander haben. Diese entsetzliche Wortglauberei bezüglich “Kriegerin und Kämpferin” empfinde ich als sehr deprimierend. Es wird immer kritisiert, gewertet und gemessen welches Schmerzen und Kämpfe schlimmer sind. Hört doch bitte mal den gegenseitigen niedermachen auf. Es liegt IMMER ( wie so vieles im Leben ) im Auge des Betrachters. Ich bin sehr für die Gleichstellung der Frau im Leben aber ich habe das Gefühl vor lauter Gleichstellungskämpfe verlieren die Frauen das Gefühl und Verständnis füreinander. Vielleicht muss “Frau” auch erst älter werden um nicht so lange den Kopf zu schütteln bis wirklich ein Haar in der Suppe zu finden ist. Die Verurteilung der Frauen untereinander ist beschämend und mir wirklich unverständlich. ICH bringe meinen Töchtern bei andere nicht derart klischeemäßg zu verurteilen, jedem seine Schmerzen zuzugestehen und nicht vorverurteilen. Ich glaube, die Kunst steckt einfach darin uns gegenseitig zu respektieren und anzuerkennen. Leben und leben lassen meine Damen….

  • Becky says:

    Das ist ein wunderschöner Artikel. Natürlich sieht ein Frauenkörper nach einer Schwangerschaft anders aus, als davor. Das ist etwas ganz natürliches. Aber das macht ihn nicht weniger schön! Und das kann man ruhig öfter sagen, allgemein oder auch den Frauen direkt. 🙂

    lg aus dem Passeiertal

  • Patricia says:

    Früher sprach man davon, dass eine Frau bei der Geburt gekämpft hat ” wie ein Soldat”. Vielleicht fühlen sich manche an diese antiquierte Redewendung erinnert? Im Zuge des Feminismus verschwand dieser Vergleich. Zum Glück vergessen die meisten Frauen den Geburtsstress schnell wieder. Sonst wäre unsere Welt voller Einzelkinder.